Psychisch krank ist gleich verrückt?

Was denken Sie bei diesen Sätzen:

„Er hat eine Angststörung“, „Sie hat eine Depression.“ oder „Sie hat psychosomatische Beschwerden“ ? Entsteht da vor Ihrem geistigen Auge vielleicht das Bild einer „verrückten“ Person, die völlig anders tickt als ihre Zeitgenossen und offenbar nicht ganz richtig im Kopf ist oder gar zu faul zum Arbeiten ist? Vielleicht sind Ihnen diese „Anderen“ sogar etwas unheimlich? Was würden Sie über sich denken, wenn Sie selbst betroffen wären? Psychische Leiden sind in unserer Gesellschaft stark stigmatisiert und werden oft lieber verschwiegen. Dabei sind sie in den meisten Fällen ein Weckruf unseres Körpers. Ein Zeichen dafür, dass jemand sein Leben nicht so führt, wie er es eigentlich führen sollte oder wie es besser zu ihm passen würde. Vielleicht lebt er im Grunde für jemand anderen– für die Familie, für ein gutes Einkommen, für die Karriere, für den guten Ruf.

Wie fühlt sich z.B. eine junge Frau, die sich bisher über ihre Leistungsfähigkeit definiert hat, wenn sie plötzlich Arbeit und Partner verliert? Oder ein Angestellter, dessen Chef ihn ständig mit Arbeit überschüttet und der nie gelernt hat, sich abzugrenzen? Oder eine Frau, die als Kind von den Eltern vernachlässigt wurde und sich jetzt für andere aufopfert? Wer z.B. über einen längeren Zeitraum jeden Tag unter Druck steht, kann irgendwann wie „aus heiterem Himmel“ eine Panikattacke erleben. Solche Attacken oder Ängste und die entsprechende Körperreaktion können auch erst Monate nach belastenden Ereignissen auftreten. Ein weiteres Beispiel: Wer ständig ein Leben führt, das nicht seinen Werten oder Wünschen entspricht, der wird sich mit der Zeit antriebslos und leer fühlen - depressiv. Zu müde und schwer, um etwas zu ändern, aber zu unglücklich, um weiterzumachen wie bisher. Eine Depression kann ihn regelrecht zwingen, eine Pause einzulegen, Dinge zu ändern, wieder auf seine Intuition zu hören und besser auf sich zu achten. Doch sind diese Menschen „geistig krank“ oder gar verrückt?

Manchen psychischen Erkrankungen liegen organische Ursachen zu Grunde, die medizinisch behandelbar sind. Diese, oft medikamentöse Therapie hat aber keinen Einfluss auf die Selbstwirksamkeit des Betroffenen. Verhaltensweisen oder Denkmuster ändern sich nicht.

Die Hoffnungsbotschaft:

Soziale oder seelische Faktoren lassen sich durch Psychotherapie gut beeinflussen und können zu dauerhaften Lösungen

führen. Die Klienten lernen, sich selbst und ihre Lebensweise zu verändern und ein selbst bestimmtes, zufriedeneres

Leben zu führen.